1. Grundlegung
1.1. Unsere Situation und Gottes Ruf zur Umkehr
1.1.1.Unsere Betroffenheit durch die Überlebenskrise unserer Welt
(1) Die Ökumenische Versammlung der Christen und Kirchen in der DDR hat sich bei ihrer ersten Vollversammlung der heutigen Weltsituation zugewandt, um gemeinsam die Herausforderung Gottes an uns wahrzunehmen. Sie hat auf die Zeugnisse der Betroffenheit aus den Gemeinden und der Gesellschaft gehört. Die globale Situation und die Situation unseres Landes sind miteinander verflochten. Wir versuchen, die konkrete Verantwortung in unserem Land im globalen Zusammenhang wahrzunehmen und unsere globale Verantwortung in unserem Lande anzunehmen.
Die heutige Weltstunde, wie sie uns schlägt, ist durch dreierlei gekennzeichnet:
(2) Die wissenschaftlich-technische Zivilisation hat sich zunächst in Europa ausgebreitet und überzieht die ganze Welt. So viel an Gutem sie für uns und unsere Welt auch bedeutet, mit dem Übermaß ihrer Erfolge bedroht sie heute zugleich ihr Überleben. Die Gefahr einer atomaren Katastrophe, die Bedrohung durch unumkehrbare ökologische Zerstörungsprozesse und die ökonomische Abhängigkeit und Ausbeutung der armgemachten Länder der Erde geht von den Ländern des Nordens aus, zu denen auch wir gehören.
(3) Die Menschheit ist eine Überlebensgemeinschaft geworden, die »auf Gedeih und Verderb« ihr gemeinsames Überleben in und mit der Biosphäre organisieren muß. Informationsund verkehrstechnisch, industriell und ökonomisch, politisch und militärisch hängt alles mit allem zusammen. Zugleich ist die Welt begrenzt, aber in ihr wächst das Konfliktpotential. Konflikte können jedoch in der globalen Verflochtenheit wie Zunder wirken. Politisches Handeln, auch im lokalen Bereich, trägt daher eine nicht mehr aufkündbare Verantwortung für das Überleben des Ganzen. Der Stellenwert dieser globalen Verantwortung mag für die Völker im Süden, die um ihre Befreiung kämpfen, geringer sein. Wir in Europa, die wir die Kontinente in diese Überlebensbedrohung und Verflochtenheit hineingezogen haben, müssen dafür unsere Verantwortung übernehmen.
(4) Zum ersten Mal ist dem Menschen eine derartige Verantwortungslast aufgeladen. Die Mündigkeit des Menschen, der seine Welt und ihre Zukunft zu verantworten hat, ist mit ihrer ganzen Folgenschwere ans Licht gekommen. Tiefgehende Wandlungsund Lernprozesse liegen vor uns: von der Vergötzung des Wirtschaftswachstums und der Wirtschaftsmacht zur Solidarität mit den Armen und zur Umverteilung von Macht; von der Friedenssicherung durch Androhung und Ausübung von Gewalt zur Friedensordnung durch Vertrauensbildung, Zusammenarbeit und Abrüstung; von der Gewaltund Willkürherrschaft über die Natur zur Solidarität und Kooperation mit ihr.
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